Welchem Ziel dient die Künstliche Intelligenz?
Warum Vertrauen, Gewohnheiten und KI unsere Beziehung zu digitalen Systemen verändern
Es beginnt harmlos. Nur kurz die WhatsApp checken, ein Video anschauen, im Feed scrollen. Aus «nur kurz» wird eine halbe Stunde. Geplant war das nicht.
Warum verbringen viele Menschen mehr Zeit online, als sie ursprünglich geplant haben?
Die Antwort liegt nicht allein bei den Menschen. Sie liegt auch nicht nur bei der Technologie.
Wie digitale Systeme Aufmerksamkeit und Verhalten aktivieren
Ob die Navigation im Auto, die Fitness-App oder die KI beim Formulieren eines E-Mails: Jede sinnvolle App oder Plattform erfüllt einen gewünschten Zweck oder löst ein Problem. Menschen haben begonnen, der Technologie zu vertrauen, wenn sie ihnen dient.
Wie gelingt es digitale Plattformen, die Aufmerksamkeit immer wieder zurück zu gewinnen?
Digitale Beeinflussung kann schleichend wirken. Gerade weil viele kleine Trigger unauffällig und harmlos wirken, nehmen Menschen sie oft kaum wahr.
Trigger sind per se nicht schlecht
Einige Menschen reagieren auf soziale Rückmeldungen, variable Belohnungen, personalisierte Empfehlungen oder Zeitdruck. Sie reagieren insbesondere dann, wenn verschiedene technologische Trigger gleichzeitig wirken.
Unbewusst lassen sich vielleicht einige dadurch leiten oder loggen sich nach kurzer Zeit wieder ein. Das geschieht nicht ganz zufällig, denn genau darauf könnte ein Algorithmus optimiert worden sein.
Anhand jeder Interaktion lernen Algorithmen dazu, welche Inhalte, Elemente und Funktionen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zu einer nächsten Interaktion führen.
Die Künstliche Intelligenz verändert die digitale Welt
Nicht jede Plattform setzt KI ein. Jedoch lernen digitale Systeme mit der integrierten Künstlichen Intelligenz wesentlich effizienter. Inhalte können präziser personalisiert und Menschen können in vielen Lebensbereichen begleitet werden.
Wer die Ziele digitaler Systeme bestimmt
Es sind dieselben Technologien, die den Menschen positiv motivieren, die auch für kommerzielle Zwecke eingesetzt werden. Besondere Beachtung verdienen Plattformen mit variablen Belohnungssystemen und solche, deren Geschäftsmodell davon profitiert, wenn Nutzer die Verweildauer erhöhen oder öfters zurückkehren.
Die Technologie verfolgt keine eigenen Ziele. Ziele werden durch Menschen definiert, die digitale Systeme entwickeln und von den Menschen, die sie nutzen.
Was aber passiert, wenn die Technologie nicht mehr nur ein technisches Werkzeug ist, wenn Menschen ihr vertrauen, Bindung aufbauen und KI-ChatBots in der Rolle als mentalen Begleiter wichtiger werden?
Beziehung zwischen Menschen und Technologie
Die nächste Generation digitaler Technologien wird nicht nur intelligenter sein, sie wird lernfähiger, persönlicher und anpassungsfähiger werden. Das Vertrauen der Menschen in die Technologie könnte dadurch wachsen.
Nicht alles, was die Technologie hervorbringt, dient dem Menschen
Je menschlicher KI wirkt, desto wichtiger wird ein geschärftes Bewusstsein, dass sich dadurch die Beziehung zwischen Menschen und Technologie schleichend verändern könnte.
Im Sinne der gesellschaftlichen digitalen Resilienz lautet die Frage nicht nur, wie intelligent und effizient KI und die digitalen Systeme sein werden. Sondern, wer die Beziehung zwischen Menschen und Technologie steuert. Und insbesondere: wem die Technologie dient und zu welchem Ziel sie eingesetzt wird.
Der Human Attention Loop
Erklärungsmodell von hoi.digital

KI erweitert unsere Möglichkeiten.
Kommunikation schafft Orientierung.
Digitale Technologien beeinflussen unser Verhalten.
Psychologische Mechanismen prägen unsere Entscheidungen.
Digitale Dynamiken verstärken bestehende Tendenzen.
15 Trigger-Mechanismen
Weitere 170+ Trigger als PDF unter Downloads.

EU
Die EU-Kommission behandelt „addictive design“ im Rahmen des Digital Services Act. Die Leitlinien zum Schutz von Minderjährigen empfehlen unter anderem, Designmuster anzupassen, die eine exzessive Nutzung fördern könnten.
Link
https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/digital-services-act
BJ Fogg
Der Beitrag stützt sich unter anderem auf Erkenntnisse aus den Forschungsgebieten Persuasive Technology (Stanford University), Human-Computer Interaction, Behavior Design, Verhaltenspsychologie sowie aktuelle Forschung zu Empfehlungssystemen und Künstlicher Intelligenz. Dr. BJ Fogg beschäftigt sich seit Ende der 90er Jahre mit persuasiven Technologien. Seine Forschungsarbeit beschäftigt sich ebenfalls mit der Gestaltung von Technologien für eine gesunde Verhaltensänderung.
Kostenlose Downloads
Auf der Webseite stehen Dokumente als Unterstützung kostenlos zur Verfügung:
- Glossar mit über 300+ Begriffen aus der digitalen Welt
- Flyer-Kampage «Bleib nicht allein. Sprich darüber.»
- Scam-Typen im Überblick
- Trigger-Lexikon mit 170+ digitalen Triggern
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